Fluch und Segen von Gewohnheiten

Alles, was das menschliche Gehirn als Gewohnheit erlernen kann, versucht es auch nach und nach zu automatisieren. Unser ganzes Leben lang. Das ist das Gute daran und manchmal das Hinderliche.

 

Der Weg morgens zur Arbeitsstelle ist fest in unseren Köpfen einprogrammiert. Umleitung? Huch! Bahnausfall? Ach herrje! Ebenso wie das individuelle morgendliche Ritual nach dem Aufstehen mit Duschen, Rasieren, Zähneputzen, Schminken, Anziehen, Kaffeetrinken und vieles mehr.

 

Unzählige Gewohnheiten helfen uns also dabei, das Leben zu vereinfachen. Ohne unsere angeeigneten und abgespeicherten Gewohnheiten müssten wir jeden Tag aufs Neue lernen uns die Zähne zu putzen, die Schnürsenkel zu binden oder mit dem Auto zu fahren. Alle Bewegungsabläufe, Reihenfolgen und Handhabungen sind in Form von Gewohnheiten irgendwann in unserem Leben entstanden und angelegt worden. Einige von Ihnen haben wir im Laufe der Jahre sogar perfektioniert und wir sind in bestimmten Dingen besser, geschickter oder schneller als viele andere Menschen. 

 

Auf der anderen Seite hindern uns aber auch unzählige Gewohnheiten daran Ideen, Wünsche und Veränderungen umzusetzen und in die Wirklichkeit zu entlassen. Gewohnheiten bestimmen unser Leben – ob hilfreich, hinderlich oder sogar kontraproduktiv.

 

Eine Gewohnheit ist demnach ein Verhalten, das wir regelmäßig in einem stabilen Kontext ausüben – ohne viel darüber nachzudenken oder abzuwägen. Meist basiert sie auf Entscheidungen, die wir unmittelbar vor Beginn der Gewohnheitsausübung nicht bewusst treffen. Deshalb macht es Sinn sich damit genauer zu befassen, was wir selbst aktiv tun können, um auf unsere Gewohnheiten Einfluss zu nehmen. Entweder um hinderliche Gewohnheiten zu isolieren, so dass diese uns nicht mehr aufhalten oder um neue, gewünschte Gewohnheiten zu installieren. 

 

Zu verstehen, wie Gewohnheiten entstehen, wird uns dabei helfen, diese zu verändern und verstärkt zu unserem Vorteil zu nutzen. Zuallererst sollten wir wissen, dass es für jeden Automatismus und jede Routine immer einen Auslöser (Trigger) gibt worauf sich eine Gewohnheitsschleife aufbaut.

 

Doch wie können wir eine immer wiederkehrende Gewohnheitsschleife beeinflussen und im Idealfall zu unserem Vorteil verändern? Dazu habe ich drei Ideen entwickelt:

 

1. Auslöser identifizieren und vermeiden

 

Ein Auslöser kann vieles sein. Zum Beispiel ein bestimmter Ort, eine bestimmte Uhrzeit, ein emotionaler Zustand oder bestimmte andere Menschen, die diese Gewohnheit bei uns immer wieder auslösen. 

 

Also stellen Sie sich zunächst folgende Fragen: 

  • Entsteht meine Gewohnheit immer am gleichen Ort (Couch, Schreibtisch, Zug, …)?
  • Wiederhole ich die Gewohnheit immer um die gleiche Uhrzeit? 
  • Wie fühle ich mich, wenn ich die Gewohnheit ausführe? Bin ich z.B. immer müde, bevor ich zu Hause nach Feierabend ein Glas Wein trinke?
  • Sind immer dann, wenn ich die Gewohnheit ausübe, bestimmte Personen damit verbunden oder in meiner Umgebung.

Damit sollte es im Falle einer ungewünschten Gewohnheit dann einfacher sein den Auslöser zu umgehen, so dass die Konditorei auf dem Weg zur Arbeit, die Zigarettenpause zur Kaffeezeit, das Feierabendbier auf dem Heimweg oder die abendliche Tüte Chips im Fernsehsessel, kein Thema mehr sind.

 

2. Routinen willentlich verändern

 

Der zweite Teil der Beeinflussung von Gewohnheitsschleifen, ist die immer wiederkehrende Routine zu verändern. Wenn also zum Beispiel der Besuch in der Konditorei auf dem Weg zur Arbeitsstelle die Gewohnheit ist, um belegte Brötchen oder Kuchen zu kaufen, dann ist die Routine der immer gleiche Weg, der an dieser Konditorei vorbeiführt. Am besten ist es daher, die Routine zu ändern und einfach einem anderen Weg zur Arbeitsstelle zu fahren.

 

Machen Sie vielleicht anstatt der Kaffeepause mit Zigarette lieber einen kleinen Spaziergang. Trinken Sie nach der Arbeit einen Tee oder eine erfrischende Apfelsaftschorle, anstatt das Bier. Essen Sie Chips nur ein oder zweimal im Monat. Schalten sie Ihr Smartphone immer aus wenn Sie abends entspannen wollen oder ein Buch lesen oder fernsehen.

 

Wichtig: Es ist leichter, die Routine zu verändern als den Auslöser. Daher sollten wir uns zunächst immer darauf konzentrieren, die Routine zu verändern, wenn uns eine Gewohnheit stört. 

 

3. Neue Gewohnheiten installieren

 

Insgesamt ist es einfacher, eine erkannte hinderliche Gewohnheit zu isolieren und auf lange Sicht vielleicht abzulegen, als eine neue Gewohnheit zu installieren, sich also quasi neu auf die Festplatte aufzuspielen. 

 

Sich im Auto anzuschnallen oder den Teller nach dem Essen in die Spüle zu stellen – an solche wenig komplexe Tätigkeiten gewöhnt man sich schnell.  Andere jedoch, wie regelmäßig Sport zu treiben, sind schon aufwendiger. Eine neue Gewohnheit muss mit einem deutlichen Auslösereiz gekoppelt und dann durch Belohnung verstärkt werden. 

 

Wenn Sie als neue Gewohnheit gleich am frühen Morgen Laufen gehen wollen, können Sie sich beispielsweise als Auslöseanreiz bereits am Abend zuvor die Laufsachen rauslegen und die Laufschuhe ans Bett stellen. Am Anfang muss das ganz bewusst gemacht werden. Ziel ist, dass unser Gehirn das Aufstehen und Sehen der Laufschuhe mit dem Laufen verknüpft und wir daraufhin automatisch handeln. 

 

Das klappt allerdings nur, wenn es gelingt, ein Verlangen zu erzeugen, und dafür braucht es eine gute Belohnung. Die schwammige Aussicht, irgend-wann schlanker zu werden, reicht nicht. Achten Sie unbedingt auf alle Signale, die Ihr Verhalten beeinflussen könnten. 

 

Das schaffen wir gut, indem wir uns die Belohnung klar vor Augen führen. Hierbei kann es schon helfen, sich einfach das gute Gefühl vorzustellen, welches durch die neue Gewohnheit erzeugt wird. 

 

Viel Spaß beim Ausprobieren

 

Ihr

Michael Langheinrich

 

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